20. Jahre Visual History Archive an der Freien Universität Berlin
Vor zwanzig Jahren hat die Freie Universität Berlin als erste Einrichtung außerhalb der USA einen Komplettzugang zum Visual History Archive (VHA) der USC Shoah Foundation eingerichtet. Seither ist die Arbeit mit digitalen Oral History-Interviews zu einem wichtigen Arbeitsfeld der Universität geworden. Wir möchten das Jubiläum nun zum Anlass nehmen, die Bedeutung dieses besonderen Archivs und seiner Quellen für die Forschung und Lehre sowie für die Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Verbrechen, zu würdigen und die Entwicklungen und Arbeiten der letzten 20 Jahre in diesem Feld Revue passieren lassen.
Aus der Auseinandersetzung mit dem Visual History Archive sind vielfältige Aktivitäten hervorgegangen: internationale Tagungen und Summer Schools, Forschungs- und Bildungsprojekte sowie zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen. Mit dem Arbeitsbereich Digitale Interview-Sammlungen wurde an der FU ein einzigartiges Kompetenzzentrum aufgebaut, dessen Expertise den gesamten Prozess einer digitalen Oral History umfasst: Von der Interviewführung und -aufzeichnung über das Sammlungsmanagement, die automatisch unterstützte Transkription und wissenschaftliche Erschließung bis hin zu einer rechtskonformen und ethisch reflektierten Bereitstellung und der didaktischen Aufbereitung von Oral-History-Interviews. Aufbauend auf den Erfahrungen mit der Erschließung des Interview-Archivs „Zwangsarbeit 1939-1945“ wurden vom Arbeitsbereich weitere erinnerungskulturell relevante Interviewprojekte, wie zum Beispiel zu der deutschen Besatzung Griechenlands oder der totalitären Sektensiedlung Colonia Dignidad in Chile umgesetzt. Ferner konnte gemeinsam mit Partner*innen die Infrastruktur Oral.History-Digital entwickelt werden, die inzwischen deutschlandweit von einer Vielzahl von Institutionen genutzt wird, um ihre eigenen Interview-Sammlungen aufzubereiten und auffindbar zu machen.
Im Rahmen der pädagogischen Projekte Zeugen der Shoah und Lernen mit Interviews wurden an der Freien Universität richtungsweisende Konzepte zur Integration von Zeitzeugeninterviews in die schulische Bildung entwickelt: Zunächst mit einer DVD-basierten Lernsoftware, später mit Online-Lernplattformen. Lebensgeschichtliche Interviews wurden didaktisch aufbereitet und für den Unterricht in verschiedenen Fächern nutzbar gemacht. Die Verbindung von digitaler Infrastruktur, quellenkritischem Arbeiten mit Oral History-Zeugnissen hat „Zeugen der Shoah“ zu einem Referenzprojekt der historisch-politischen Bildung gemacht.
Die aktuelle Phase tiefgreifender technologischer Transformation fällt mit dem Ende der unmittelbaren Zeitzeugenschaft des Nationalsozialismus zusammen. Die Jubiläumsveranstaltungen nehmen diese doppelte Zäsur zum Anlass, die Entwicklungen der vergangenen zwanzig Jahre zu reflektieren, Einblicke in aktuelle Forschungs- und Bildungsprojekte zu geben und gemeinsam über zukünftige Perspektiven der Arbeit mit digitalen Oral-History-Archiven zu diskutieren.
Am 2./3. Dezember 2026 werden wir dieses Jubiläum mit einer zweitägigen internationalen Tagung und einer öffentlichen Abendveranstaltung begehen.
In den kommenden Monaten stellen wir hier auf der Website nach und nach alle Informationen zum Jubiläumsprogramm, zu den Referent*innen sowie zur Anmeldung bereit.