II. Summer School der Digitalen Interview-Sammlungen an der Freien Universität Berlin

Geschichte im Gedächtnis. Eine Einführung in die wissenschaftliche Arbeit mit videografierten Interviews mit Überlebenden des Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück.

Montag, 19.07 -  Samstag, 24.07.2010

Mit dem wachsenden zeitlichen Abstand zur Shoah kommt den Video-Interviews von Überlebenden eine wachsende Bedeutung im Erinnerungsdiskurs zu. Aufgrund ihres hohen Alters können immer weniger Überlebende ihre persönlichen historischen Erinnerungen an die nachfolgenden Generationen weitergeben. Diese Entwicklung führt zu einer Veränderung der Rolle der Zeugen in der Erinnerungskultur an die Shoah. Das bisher kommunikative personengebundene Gedächtnis wandelt sich zu einem medial gestützten Archiv-Gedächtnis. Es stellt sich die Frage, wie, die unterschiedlichen individuellen historischen Erfahrungen der Shoah im Sinne der interviewten Überlebenden weitergegeben werden können? Die Freie Universität Berlin bietet den Zugang zu zwei bedeutenden Oral History-Archiven an, dem „Visual History Archive der Shoah Foundation und dem Archiv „Zwangsarbeit 1939-1945“. Beide beinhalten lebensgeschichtliche Video- und Audio-Interviews mit Überlebenden der Shoah.

Die Freie Universität hat vom 19.-24.07.2010 die zweite sechstägige Summer School für internationale Alumni, die in die wissenschaftliche Arbeit mit Oral History-Interviews einführt, veranstaltet.

Die Summer School verfolgte einen interdisziplinären Ansatz: ReferentInnen haben die Zugangsweisen zur Arbeit mit den Videografien aus geschichtswissenschaftlicher und geschichtsdidaktischer, literatur- und medienwissenschaftlicher, psychologischer sowie (gedenkstätten-) pädagogischer Perspektive vorgestellt. Die TeilnehmerInnen haben sich in Arbeitsgruppen mit den Lebensberichten von vier Frauen mit unterschiedlichen Verfolgungshintergründen, die das Konzentrationslager Ravensbrück überlebten, beschäftigt. Dabei wurde ein besonderer Fokus auf die unterschiedlichen Verfolgungserfahrungen und die Geschlechterspezifik gelegt.

Anhand der Biografien wurden die individuell unterschiedlichen Lebenswege, Verfolgungserfahrungen sowie die Integration des Erlebten in die eigene Lebensgeschichte erarbeitet. Dabei  sollten die Chancen und Grenzen der verschiedenen disziplinären Zugänge abgesteckt und Kenntnisse über das wissenschaftliche und pädagogische Arbeiten mit den Videografien vermittelt werden. Zudem ermöglichten Exkursionen zum Denkmal für die ermordeten Juden Europas und zur Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück den TeilnehmerInnen eine Beschäftigung mit unterschiedlichen Erinnerungsorten.

Ziel der Summer School war – neben der Vermittlung der Geschichte, Funktion und Wirkungsweise der Oral-History – eine Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Disziplinen zu intensivieren und Kriterien für die wissenschaftliche Arbeit mit Video-Interviews zu entwickeln. Dabei ist heute und bleibt auch zukünftig in der Arbeit mit den Zeugnissen der Überlebenden ein verantwortungsvoller Umgang mit den individuellen Lebensgeschichten und eine an dem neusten Stand der historischen Forschung orientierte Kontextualisierung für uns ethische Verpflichtung.

Das vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) geförderte Angebot ist Teil des internationalen Alumni-Programms der Freien Universität Berlin. Es richtet sich an Personen, die in der Vergangenheit bereits als internationale Studierende (z.B. im Rahmen des Erasmus-Programms) ein oder mehrere Semester an der Freien Universität oder einer anderen Hochschule in Deutschland studiert haben.

ausgerichtet von:

Freie Universität Berlin
CeDiS - Center für Digitale Systeme
Projekt "Visual History Archive"
Verantwortlich: Verena Nägel
Durchführung: Tanja Seider und Katharina Obens
Organisation: Susanne Gottschling

Kontakt:

Freie Universität Berlin
Center für Digitale Systeme (CeDiS)
Ihnestr 24
14195 Berlin